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Oh Gott, was ist denn das? Nach dem ebenso pompösen wie unnützen Intro drischt ein thrashiger Bombastmetal auf mich nieder, den ich zuerst nicht so recht einordnen kann. Massive Keyboardteppiche, schrubbende und melodische Leads spielende Gitarren, donnernde Drums und wütender Gesang tragen die Hauptlast. Die Synthies schießen sogar Leadmelodien auf mich ab. „The force of your heart“ ist sehr, sehr majestätisch und gewaltig und fast schon übergroß.
Okay, diese Polen haben frech bei THERION geklaut, aber da ist mehr als nur der Ideenfundus der schwedischen Symphonicmetalstars (die übrigens verdammt gut sind). Ich bin mir nicht sicher, ob diese Band Konsens oder wirkliche Genialität ist. Diverse Parts klingen nach Inspirationsrecycling.
Der Sound ist fett und wuchtig, aber er hat durchaus einen lebendigen Aspekt, ist nicht zu aufgeschwemmt.
Im zweiten Song „Unholy divine“ hat man melodischen Gesang, zarte Engelsstimmchen als Backingvocals, schrubbende Thrashmetalriffs auf Synthesizerteppich, wilde Soli der Gitarre und verspielte Strukturen mit zuweilen recht irrwitzigen Läufen, aber auch mit standardisiertem Stampfriffing. Aber gut, Innovationen sind in der Metalszene ausgeschlossen, selbst bei solch eigenwillig zusammengepanschtem Sound.
„Little 15“ basiert auf orchestralen Keyboardläufen und melancholischem Popgesang, was eine Art Kammermusik / Pop – Mix erschafft. Aber das ist nur der Anfang, denn da sind auf einmal diese typisch neumodischen Stakkatogitarren mit abgehackten Rhythmen, ab und zu auch einfach durchgerissene Akkorde. Das ist inzwischen Usus im verkitschten Gothicsound, selbst bei Chartacts wie NU PAGADI oder LAFEE, die sich ohne Verstand dieser Szene als Basis bedienen. Ein netter Popmetalsong insgesamt, der eventuell auch ohne diese Klampferei ausgekommen und dadurch sogar besser geworden wäre. Auch wenn ich sagen muß, daß das hier nicht einmal nötig ist. Gut, das grandiose Finale des Stückes macht schon was her, auf den ersten Höreindruck jedenfalls. Ich weiß nicht, ich weiß nicht.
„Crime“ donnert und thrasht hektisch, während melodische Leadgitarren schöne Melodien drüberlegen, dann kommen sanfte, sehr atmosphärische Progrockelemente. Der Gesang ist hierbei betörend sphärisch, wobei der Fronter auch zu boshaften Schreien neigt, wie man sie von den älteren Moonspell kennt. Natürlich und wütend, mit viel Charisma. Immer wieder vermengen sich hier der 90er Gothicmetal und metallisch angehauchter Neoprog zu einer Bombastsuppe, die sich gewaschen hat. Wieviel hier Tiefgang und wieviel Oberflächlichkeit ist, muß sich noch herausstellen. Ich bin erstmal skeptisch. Immerhin hat dieser Song einen zurückhaltend metallischen Flohwalzer mit Kirmesorgel zu bieten, der beinahe schon morbiden Charakter besitzt. Nein, nicht nur beinahe.
Bombastblackmetal – und Gothicmetalfans auf der Suche nach dem nächsten Spektakulum werden vor Freude aufjauchzen, aber haben ETERNAL DEFORMITY (geiler Grindcorename) nun wirklich nur das zu bieten? Artrockige Klasse der Marke OPETH blitzt zuweilen in den schönen Passagen auf und weiß zu fesseln, wird dann aber oftmals bis an den Rand des Platzens aufgeblasen und von Standardphrasen wieder in irdische Gefilde zurückgerissen. Die Polen kochen also nur mit Wasser, wenngleich das Süppchen schmackhaft erscheint. Im Bereich der Gitarrenarbeit ist jedenfalls nur selten mehr als die üblichen Stakkatos, ob flotter, ob rollend oder stampfend, zu vernehmen. ETERNAL DEFORMITY sind bei aller Kritik nicht schlecht, nur eben ein Mischmasch aus OPETH, THERION und MOONSPELL und nicht wirklich zu eigenen Ideen fähig. Man hört es sich an, findet es okay, aber man legt keine sechzehn bis achtzehn Euro, je nachdem ob mit oder ohne sinnloser Bonus DVD in der superlimitierten Digipackauflage, dafür auf den Tisch. Ich jedenfalls würde das nicht tun. Aber was weiß ich schon? Sie haben die Klasse, wirklich schöne Unterhaltung zu bieten, aber ein wahrlich diabolisches Theater geht anders.